„Ich habe es als Chance genutzt“

veedu bietet Nichterwerbstätigen mit der Weiterbildung „Arbeitnehmer*in 4.0“ eine kaufmännische Qualifizierung in Reinickendorf und vermittelt Praktika in lokale Unternehmen. Mit dem vom Europäischen Sozialfonds geförderten Projekt soll der Wiedereinstieg in das Berufsleben erleichtert werden. Wir haben mit Frau Silke W., einer ehemaligen Teilnehmerin, und Herrn Frank Saewe von der QPS-Marketing-Gruppe, eines unserer Partnerunternehmen im Bezirk, gesprochen.

Frau Silke W., eine ehemalige Teilnehmerin und Herr Frank Saewe von der QPS-Marketing-Gruppe.

Frau Silke W., wie sind Sie dazu gekommen, an der Weiterbildung „Arbeitnehmer*in 4.0“ teilzunehmen?

Zum Projekt gekommen bin ich über die Jobmesse im Rathaus, da war veedu vertreten. Ich hatte mir einen Flyer mitgenommen und Frau Woltmann rief mich dann an zum Kennenlerngespräch. Ja und irgendwie hörte sich das interessant an für mich, gerade mit dem Praktikum, gerade weil ich ja auch mehrere Erkrankungen habe und dadurch nicht super für den Arbeitsmarkt bin, habe ich es als Chance genutzt.

Welche Erwartungen hatten Sie?

Einfach um erstmal einen Schritt weiterzukommen, ein bisschen was dazu zu lernen, zu sehen, inwieweit Marketing oder Projektmanagement vielleicht etwas für mich sein kann.

Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

Generell, dass man das Praktikum hat, um einfach mal austesten zu können, bist du soweit, kannst du ein bisschen was oder was lernst du. Dann von den Workshops konnte ich viel mitnehmen in Punkto Facebook.

Herr Frank Saewe, die QPS-Marketing-Gruppe ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen und hat im Rahmen der Weiterbildung Praktika für die Teilnehmenden angeboten. Hat Ihr Unternehmen zum ersten Mal an so einem Projekt teilgenommen? Und was war Ihre Motivation?

Die Teilnahme an diesem Projekt war erstmalig auch in dieser Form, aber die Erfahrung mit Praktikanten generell zu arbeiten, die bestand schon. Ich hatte Wochen zuvor in einer lokalen Zeitschrift über dieses Projekt etwas gelesen und mitbekommen, dass es das gibt. Und ich dachte, ein Förderprojekt kann ja nicht falsch sein.

Frau Silke W., Sie haben gleich zwei Praktika bei der QPS-Marketing-Gruppe absolviert. In welchen Bereichen war das und welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?

Webseite pflegen, Flyer, Werbemittel, Texte, Alles. (lacht) Naja und das zweite Praktikum, eigentlich hieß es, man soll es in einem anderen Unternehmen machen. Ich habe mich hier so wohl gefühlt, dass ich gedacht habe, nein, ich möchte ganz gerne noch ein zweites Praktikum hier machen. Und Herr Frank Saewe war ja Gott sei Dank auch einverstanden.

Und waren die Tätigkeiten im zweiten Praktikum ähnlich oder haben Sie da was Anderes gemacht?

Ja, es baute drauf auf. Aus den normalen Anzeigentexten wurden dann Werbetexte, Pressetexte oder Stellenanzeigen. Oder „Wir suchen“-Anzeigen in Punkto einer Grafik oder Logos nochmal ein bisschen anders erstellen. Viel Büro.

Haben Sie auch neue Fachkenntnisse während der ganzen Zeit erlernt sowohl in den Workshops als auch im Praktikum?

Ich glaube, ich habe Herrn Frank Saewe ordentlich gelöchert. (lacht) Viele Fragen gestellt. Grade bei Facebook als privater Anwender hat man andere Seiten als Unternehmen, denn man hat ja dann mehrere Funktionen und da hast du viel zu lernen. Viele Fragen in Punkto Urheberrecht oder Postgeheimnis hatten wir auch in den Workshops teilweise mit drin.

Herr Frank Saewe, Sie haben Frau Silke W. im Praktikum kennengelernt. Was war ausschlaggebend dafür, dass Sie ihr eine Weiterbeschäftigung angeboten haben?

Wir haben hier im Hause das Problem, dass wir aufgrund der Betriebsgröße nicht einzelne Abteilungen haben wie Buchhaltung, Einkauf oder einzelne Aufgaben zu verteilen sind. Wir suchen ja hier die eierlegende Wollmilchsau, die dieses Konzept generell versteht. Die einfach auch in der Lage ist zu wissen, was mache ich, wenn der Drucker nicht geht. Welche Programme gibt es noch außer Word und Excel. Wie kann man Prozesse optimieren und da hatte Frau Silke W. ein gewisses Engagement gezeigt und auch ein gewisses Vorwissen. Also das ist nicht so, dass hier grundsätzlich immer nur der Weg des Lernens von einer Seite ist, sondern das ist hier ein ständiger Austausch.

Frau Silke W., was arbeiten Sie jetzt im Unternehmen?

Webseite immer noch, das Texten, Büro, Telefondienst ist dazugekommen. Ansonsten glaube ich zur Belustigung des Chefs beitragen. (lacht) Nein! Ja, das ist eben das Schöne hier, dass man so ein bisschen lockerer ist. Wenn er dann anfängt, ihm fehlt ein Bildchen oder eine Anzeige, dann sitze ich eigentlich schon da dran und bastele ihm was zusammen. Egal was ich grade vorher gemacht habe.

Herr Frank Saewe: Also man muss dazu sagen, ich verfüge ja nun über zehn Jahre Büroerfahrung. War ja vorher auch jahrelang im Angestelltenverhältnis, also unterm Schnitt 25 Jahre in Arbeitserfahrung und es gab wenige Leute, die mich in meinem Leben verstanden haben, ohne dass wir viel kommunizieren. Und das zeichnet ja eine gute Arbeitsweise zusammen aus, dass die eine Seite schon jetzt in den nächsten zwei Minuten weiß, was sagt er eigentlich, was will er eigentlich und das ist hier eigentlich auch wichtig aufgrund der Betriebsgröße. Das muss man können. Und Frau Silke W. hat vom ersten Tag an relativ schnell erkannt, wie ich ticke. Und das ist natürlich auch eine Kunst, Menschen so einschätzen zu können. Und das ist natürlich auch eine Arbeitserleichterung.

Ich habe noch eine letzte Frage. Warum würden Sie anderen empfehlen, an einem Projekt wie Arbeitnehmer*in 4.0 teilzunehmen?

Herr Frank Saewe: Generell haben wir heute auf Personalseite das Problem, früher hat man eine Stelle ausgeschrieben, hat vierzig Bewerbungen bekommen und hat aussortiert nach Qualifikation, nach Zeugnissen. Aufgrund des demografischen Wandels und der Qualifikation der einzelnen Leute ist es heute nicht mehr so. Heute steht man vor der Aufgabe zu sagen, man hat hier einen Bewerber oder eine Bewerberin und man hat eine Stelle. Passt der? Wie können wir die vielleicht einsetzen, fortbilden, weiterbilden oder eine gewisse Motivation wecken, dass sie die Aufgabe im Betrieb abarbeiten kann. Da stehen wir aber nicht nur vor dieser Situation, da stehen viele andere Unternehmen auch davor. Heute ist meine Empfehlung, auch immer Praktikanten zu nehmen, denn aus diesen Praktikanten können sich ja immer Goldstücke ergeben oder Goldstücke entwickeln. Das hat hier in allen Bereichen gut gepasst.

Dann bedanke ich mich für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute.

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